Als Freiberuflerin muss man sich manchmal Dinge gönnen, die Festangestellte nicht so einfach umsetzen können. Ein Projekt zum Beispiel. In den Jahren 2012 bis 2014 hatte ich tolle journalistische Projekte. Seit 2015 ist mein Hauptprojekt mein Blog Op Jück, in dem sich alles um Köln, NRW und die Welt dreht.

Projekt 2014: Digitalien greifbarer machen

Projekt Digitalien zieht ins Saisongeschäft - zunächst mit einem Einkaufswägelchen und Kartons.
 Projekt Digitalien zieht ins Saisongeschäft – zunächst mit einem Einkaufswägelchen und Kartons.

Angefangen hat alles mit der fixen Idee, mit den eigenen Fotos Geld verdienen zu können. Um das zu testen, braucht man aber einen Laden. Der Zufall hat mir den Weg in das Saisongeschäft in der Körnerstraße 46 in Köln-Ehrenfeld gewiesen. Dort kann man ein Ladenlokal monateweise mieten. Im Februar 2013 habe ich den Mietvertrag unterschrieben, doch als ich im Herbst anfing, Produkte mit Fotos individualisiert zu bestellen, habe ich schnell gemerkt, dass man vom Verkauf unmöglich leben können wird.

Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: Mietvertrag wieder kündigen – oder ein anderes Konzept ersinnen. Ich habe mich für letzteres entschieden. Denn es tut mir sicherlich gut, mal zwei Monate an einem anderen Ort zu arbeiten. Außerdem gibt es natürlich trotzdem einige wenige Fotoprodukte, die man gegen eine Spende, die mindestens die Höhe der Produktionskosten beträgt, mitnehmen kann. Und: ich nutze das Projekt Digitalien, um kostenlose Mini-Workshops anzubieten. Thema: Digitale Welt. Um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass man das Internet für sich nutzen kann, dass es nicht nur um Cat-Content, dumme Kommentare und das Abgreifen von Daten geht.

Wer mehr über meine Erfahrungen wissen will, kann hier in den Blogbeiträgen stöbern.

Projekt 2013: Als Austauschdozentin in Memphis, Tennessee

Von 2002 bis 2015 hatte ich einen Lehrauftrag am Journalistischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Ich unterrichtete dort Onlinejournalismus. Die Mainzer haben eine Kooperation mit der University of Memphis. So können Studenten von beiden Universitäten im jeweils anderen Land ein Jahr studieren. Und einmal im Jahr findet außerdem ein Austausch für je einen Dozenten statt. So kam es, dass ich 2013 nach Memphis flog. Ich habe dort Vorträge zu den Themen Personal Branding und Mobile Reporting gehalten, einen Workshop „Stop Motion Video“ gemacht und Einführungen in den Videoschnitt mit iMovie gegeben. Mein Vortrag über Mobile Reporting hatte auf der Plattform Slideshare über 3.000 Abrufe.

Memphis
Memphis

Die für mich wichtigste Erkenntnis in Memphis war, dass wir in Deutschland den US-Amerikaner*innen bei der Nutzung von Social Media nicht wirklich hinterherhinken. Die Student*innen dort kannten und nutzten nicht mehr Möglichkeiten als die Studierenden hier. Meine Erlebnisse als Austauschdozentin sind im Blog zusammengefasst.

Projekt 2012: Als ehrenamtliche Reporterin in Tansania

Ich wollte schon immer einige Zeit im Ausland ehrenamtlich arbeiten. Als Freiberufler ist das jedoch gar nicht so einfach. Denn selten gibt es Einsatzmöglichkeiten, die kürzer als sechs Wochen sind – und so lange für die Kunden nicht erreichbar zu sein, das ist für Selbstständige ein Wagnis. Zufällig habe ich dann bei Facebook Village Africa gefunden, eine britische NGO, die in Tansania aktiv ist. Ich gebe zu: ich wäre lieber nach Lateinamerika geflogen, um dort ehrenamtlich zu arbeiten. Aber: Village Africa suchte eine ehrenamtliche Reporterin und einen Fotografen für einen Kurzeinsatz. Als ich das las, wusste ich, dass ich mich bewerben muss.

Mein Arbeitsplatz in Yamba
Mein Arbeitsplatz in Yamba

Meine Erlebnisse in Tansania können Sie auszugsweise im Blog nachlesen.

Geld, Handys und Brillen

Insgesamt sammelte ich durch meine Berichte Spenden in Höhe von über 2.000 Euro. Außerdem haben wir viele Pakete mit gebrauchten Handys zu Village Africa geschickt, die die Dorfbewohner jetzt nutzen, um Geldgeschäfte zu tätigen und um über Facebook mit anderen in Kontakt zu bleiben. Und wir haben einige hundert Brillen gesammelt. Doug, der Village Africa mit ehrenamtlicher Arbeit unterstützt und in Großbritannien lebt, flog im März 2013 mit unseren Brillen nach Tanga. An einem Tag während seines fast fünfwöchigen Aufenthaltes verteilte Village Africa die Brillen in Milingano. Doug schreibt mir:

Sie haben so viele ausprobiert und Bücher und Zeitungen benutzt, um festzustellen, mit welchen sie besser oder schlechter sehen. Ich sollte sie fotografieren, damit sie auf dem Kamera-Display sehen konnten, wie ihnen die Brillen stehen. 86 Brillen haben so einen neuen Besitzer gefunden. Mit den restlichen Brillen, die du geschickt hast, will Village Africa in andere Dörfer fahren, um sie dort zu verteilen.

Später schrieb mir Caroline von Village Africa:

On Friday an old man walked 6 hours from Mlola village to Yamba to ask for a pair of spectacles. He had heard we were distributing them. Unfortunately we had run out! We took a mobile phone number and will contact him when we have some more. 6 hours each way – that is how much your gifts are valued. Thank you to you and all your supporters.

Sechs Stunden also lief ein alter Mann durch die Usambaraberge, um einen Brille zu bekommen. Sechs Stunden, um dann zu erfahren, dass es keine mehr gibt. Und dann sechs Stunden zurück. Während wir einfach ins nächste Brillengeschäft gehen und eine Brille kaufen.

Spenden sammeln auf kreative Weise

Die Brillen haben wir übrigens nach Tansania geschickt, an eine Kirche in Tanga. Denn würden sie zum Postamt geschickt, müsste Village Africa für die Lagerung Geld bezahlen, da die NGO nur etwa alle zwei Wochen Post abholen kann. Ein 2 Kilogramm-Paket kostet 14,50 Euro nach Tansania. Da ich schon bald keine Luftpolsterfolie zum Verpacken mehr hatte, habe ich T-Shirts benutzt, die ich nicht mehr trage. Das war in mehrfacher Weise eine sinnvolle Lösung. Denn da es in Yamba keine Möglichkeit gibt, Müll zu entsorgen, musste die Kunststoffverpackung immer gesammelt und nach Tanga gebracht werden. Die Verpackung aus Gebrauchtkleidern konnte dagegen direkt bei der nächsten Kleidervergabe an Bedürftige ausgegeben werden. Zwei Fliegen also mit einer Klappe geschlagen.

Thorsten Olscha von morefire und ich haben außerdem ein Spendenseminar zugunsten von Village Africa gegeben. Thema: Social Media und Suchmaschinenoptimierung (SEO) für Journalisten. In meinen Folien ging es im Wesentlichen um Social Media und Personal Branding mit einer einführenden Einheit zum Thema SEO. Thorsten Olscha hat danach ausführlich in die Geheimnisse der Suchmaschinenoptimierung eingeweiht.

Was lange währt, wird endlich gut

Mein Projekt Tansania habe ich vor fast genau zwei Jahren abgeschlossen. 2014 ist in Brand Eins das Interview mit dem Hausmädchen von Village Africa, Stella Laurent, erschienen. Ick freu mir!