Uninformierte Agenturen rauben mir die Zeit

Als Journalistin bin ich es gewohnt, jemanden dann anzuschreiben, wenn ich etwas von genau dieser Person möchte. Allerdings erstaunt es mich immer wieder, dass Agenturen mich anschreiben, ohne dass sie sich über meine Arbeit informiert haben. Das fängt bei Pressemitteilungen an, die nicht zu meinen Themen passen, geht aber noch viel weiter. Beispiel DMEXCO: Ich habe acht E-Mails und vier Nachrichten über die Messe-App von Unternehmen und Agenturen bekommen, die mir ein Gespräch zu Themen angeboten haben, die für mich nicht relevant sind. 

Bei einer Agentur, mit der ich vor Jahren schon einmal zusammengearbeitet habe, dachte ich zunächst, der Absender wolle mich genau darum treffen – um mich einmal persönlich kennenzulernen und vielleicht über eine weitere Zusammenarbeit zu sprechen: „I would love to see if you are available for coffee or a drink“. Nachdem wir tatsächlich einen Termin ausgemacht hatten, zeigte sich einige Stunden vor dem Treffen, dass der Absender wissen wollte, welche Fragen ich stellen würde und für welches Medium ich schreibe. Da sich dann aber herausstellte, dass ich drei Stunden auf der Konferenz hätte überbrücken müssen, um ihn zu treffen, habe ich den Termin abgesagt. Er hätte mich nicht weitergebracht, für die Agentur wäre er ebenfalls hinausgeworfene Zeit gewesen.

Anfragen von Agenturen an mich als Bloggerin

Anderes Beispiel: Eine Destination schickte mir ihre Presseinformationen. Der letzte Satz: „Dort können Sie sich auch für Interviews oder Pressereisen zu XYZ anmelden“. Weil ein Thema besonders gut passte, habe ich zurückgeschrieben, dass ich mir das für mein Blog gerne anschauen würde. Antwort: „Mailen Sie mir doch einfach mal Ihren Mediakit. Schreiben Sie als Freelance auch für andere Medien?“. Auch in diesem Fall habe ich mich gefragt, warum sie mich überhaupt angeschrieben hat, wenn sie gar nicht weiß, was ich mache. Ich habe höflich meine Verwunderung ausgedrückt und ihr die gewünschten Informationen geschickt. 

Eine Antwort habe ich darauf nicht bekommen. Stattdessen kam eine weitere Pressemitteilung. Darauf habe ich eine Mail zurückgeschrieben und gefragt, ob ich davon ausgehen darf, dass ihr meine Unterlagen zugesagt haben, da sie mir noch eine Pressemitteilung geschickt hatte. Sie schrieb, sie werde sich melden – und ich habe nie mehr von ihr gehört. Glücklicherweise schickt sie mir aber auch keine Pressemitteilungen mehr.

Einladung zur Pressereise – oder auch nicht

Noch unerfreulicher war die Kommunikation mit einer Agentur, die mich zu einer Pressereise eingeladen hat. „Sollten Sie Interesse daran haben, an einer der geplanten Reisen teilzunehmen und sich weitere Informationen wünschen, würde ich Sie bitten, meinen Kollegen zu kontaktieren“. Es ging in der Mail allerdings nur um eine ganz bestimmte Reise, nicht um mehrere. Verrückterweise war ich bereits dreimal vor Ausbruch des Coronavirus zu genau dieser Reise eingeladen worden. Einmal konnte ich nicht, weil ich ein Seminar gab, einmal hatte ich Geburtstag, beim dritten Mal war ich angemeldet, aber die Reise wurde sehr kurzfristig abgesagt. Die Dame damals hatte mir geschrieben „Ich hoffe sehr, dass Sie uns begleiten werden“ und „Wir freuen uns, dass Sie dabei sind“.

Entsprechend war ich sicher, dass es dieses Mal endlich klappen würde. Allerdings stellte ich bei einem Blick in den Kalender fest, dass ich montags einen wichtigen Arzttermin haben würde, der sonntags vorbereitet werden musste. Und ich wäre von der Reise erst Dienstag zurückgekommen. Mist. Ich schrieb also der Agentur und fragte, ob ich früher zurückreisen könne oder ob in absehbarer Zeit eine weitere Reise geplant sei.

Arzttermin verschoben – Agentur reagiert eigenwillig

Abends kam mir die Idee, in der Arztpraxis anzurufen und zu fragen, ob ich diesen Termin, der nur die Vorbereitung für die eigentliche Untersuchung einige Wochen später sein sollte, vorziehen könne. Und – oh Wunder! Das ging! Hocherfreut rief ich darum gegen Nachmittag den in der Mail genannten Kollegen an, von dem ich bis dahin noch nichts gehört hatte.

Der hatte bis zu diesem Zeitpunkt meine Mails noch gar nicht gesehen, weil er einige Tage nicht im Büro war. Er erzählte mir, dass so viele Kolleg*innen abgesprungen seien, dass sie jetzt dringend noch Ersatz suchten. Und fragte, für wen ich denn schreibe. Das hat mich wieder überrascht, denn ich dachte, ich sei eingeladen worden, weil die Agentur der Meinung war, dass wir zueinander passen. Ich sagte, dass ich die Reise natürlich zunächst auf meinem Blog veröffentlichen werde. Aber es ziemlich sicher sei, dass ich auch in D und V darüber etwas veröffentlichen würde.

Sind meine Kund*innen Agenturen nicht gut genug?

Ob ich denn noch andere Kund*innen hätte, fragte er. Ich sagte: Klar. Aber die werden keine Reiseberichte abdrucken. Entsprechend sind sie für Sie irrelevant. Als er hörte, dass ich schon dreimal eingeladen worden sei, sagte er, er werde seine Kundin eben anrufen. Also die Frau, mit der ich vor 2020 schon mehrfach Kontakt hatte. Tatsächlich rief er zehn Minuten später zurück. Seine Kundin könne das jetzt nicht entscheiden. Ich solle ihm doch gerne in einer Mail schreiben, wo ich die Reise veröffentlichen wolle. Und gerne zu den beiden genannten Medien noch andere Tageszeitungen und Magazine auflisten, denen ich das Thema anbieten werde. Da kam ich mir etwas verarscht vor. Das war meine Antwort:

Antwort an eine Agentur
Antwort an eine Agentur

Und du kannst es dir sicher schon denken: Ich habe nie mehr von dieser Agentur gehört. Nicht einmal eine Absage bekommen. Hätte ich fünf bis zehn Tageszeitungen aufgelistet, ohne den Vorsatz diese zu kontaktieren, hätte ich also bessere Chancen gehabt, eingeladen zu werden. Ernsthaft?

Wie dem auch sei: Natürlich ist es schade, dass ich nicht eingeladen wurde. Aber so what? Sollte ich unbedingt in das Land reisen wollen, bin ich in der komfortablen Situation, mir das leisten zu können. Ich bin nicht auf eine Pressereise angewiesen. Und ob das Land in meinem Blog vorkommt oder nicht, ist für mich auch nicht wichtig. Aber bitte, liebe Agenturen: Schickt mir doch in Zukunft keine Einladungen und Pressemitteilungen, wenn Ihr sowieso denkt, dass wir nicht zusammen passen. Das würde mir viel unnötig investierte Zeit sparen. Danke!

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