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Symbolbild KI und Inklusion, erstellt mit Gemini

KI-Antworten rund um das Thema „Behinderung“ verbessern

In einem meiner KI-Vorträge zu „Wie künstliche Intelligenz das Suchen und Finden im Internet verändert“ fragte mich eine Teilnehmerin, was sie tun kann, damit die Antworten in ChatGPT, Gemini oder Perplexity beim Thema „Behinderung“ weniger Bias und altmodische Sichtweisen enthalten. Eine sehr gute Frage – und wie so oft ist die Antwort weniger einfach als es scheint.

In aller Kürze

  • Aktiv korrigieren und steuern: Gib bei jeder problematischen KI-Antwort präzises, erklärendes Feedback. Lass einen Bias nicht unkommentiert.
  • Zur verlässlichen Datenquelle werden: Erstelle und veröffentliche hochwertige, moderne Inhalte wie Blogbeiträge, Sprachleitfäden und FAQs. Deine Expertise im Netz ist wichtiges Trainingsmaterial für die KI von morgen.
  • Strategisch Einfluss nehmen: Nutze die Autorität deines Verbandes, um mit KI-Entwickler*innen Gespräche zu führen, vielleicht politische Kampagnen zu starten und dich für verbindliche Standards für eine diskriminierungsfreie KI einzusetzen.

Die gute Nachricht ist: Wir sind nicht ganz machtlos. Da KI-Modelle auch aus den Daten im Internet lernen, ist Expertise ein Hebel, um einen digitalen Bias zu korrigieren. Allerdings müssen wir uns nichts vormachen: Man braucht einen sehr langen Atem, um Stereotype und Klischees aus KI-Tool-Antworten herauszubekommen. Schließlich beruhen die Antworten auf Statistiken. Enthalten also die meisten Dateien im Internet diesen Bias, wird er immer weitergetragen. Hinzu kommt, dass es Länder gibt, die nicht wollen, dass Antworten von LLMs divers sind. Ihr Einfluss auf die KI-Unternehmen ist aus wirtschaftspolitischen Gründen groß. Das macht es nicht einfacher.

Direkte Interaktion und gezieltes Feedback

Jede Interaktion mit einer KI ist eine Chance, Feedback zu hinterlassen. Während eine einzelne Korrektur das System sicher nicht ändert, trägt die Masse an qualifiziertem Feedback eventuell zur Verbesserung zukünftiger Modellversionen bei. Frei nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Wenn eine KI-Antwort problematisch ist, nutze die Feedback-Funktion und erkläre präzise, warum, zum Beispiel: „Die Formulierung ‚an den Rollstuhl gefesselt‘ ist veraltet und stigmatisierend. Eine neutrale und respektvolle Alternative ist beispielsweise ‚Person, die einen Rollstuhl benutzt‘.“ Meine Quelle für diese Formulierung ist leidmedien.de.

Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Ich benötige sehr oft Symbolbilder für meine Posts, Blogbeiträge oder Folien. Generiert das KI-Tool einen Mann, was üblicherweise geschieht, wenn ich vergesse, explizit nach einer Frau zu fragen, lasse ich das Bild immer ein weiteres Mal generieren, mit dem Hinweis, dass eine Frau dargestellt werden soll.

KI durch richtige Prompts optimieren

Formuliere deine Anfragen, also die Prompts, so, dass die KI von Anfang an auf den richtigen Weg gebracht wird. Damit bekommst zwar zunächst nur du bessere Antworten, aber vielleicht hat auch das langfristig Folgen für das, was andere Nutzer*innen in den Antworten von KI-Tools lesen.

Beispiel-Prompt:
> „Erstelle einen Social-Media-Post zum Thema Inklusion am Arbeitsplatz mit Bezug auf Behinderung. Wichtige Anweisung: Verwende eine moderne, respektvolle und nicht-diskriminierende Sprache, basierend auf dem sozialen Modell von Behinderung. Fokussiere dich auf Kompetenzen, Potenziale und den Abbau von Barrieren.“

Probiert diesen Prompt doch gerne einmal aus und sagt mir dann, ob das Ergebnis so ist, wie ihr euch das wünscht. Wenn ihr bessere Beispiel-Prompts habt, hinterlasst sie doch bitte in den Kommentaren.

Die Datenwelt aktiv gestalten

Dies ist deine wirkungsvollste und langfristigste Strategie. Zukünftige KI-Modelle werden mit den Inhalten trainiert, die du und dein Verband heute veröffentlichen. Werde zur vertrauenswürdigen und wichtigen Quelle für inklusive Inhalte.

Bevorstehende Veranstaltungen

Hochwertigen Content als Trainingsdaten produzieren

Dein Ziel muss es sein, das Internet mit qualitativ hochwertigen, modernen Informationen zu „fluten“.

  • Blogartikel & Ratgeber: Veröffentliche regelmäßig Texte zu Themen wie „Ableismus“, „Leichte Sprache“, „Digitale Barrierefreiheit“ oder „Inklusion im Sport“.
  • Sprachleitfäden & Glossare: Erstelle eine öffentlich zugängliche Seite mit dem Titel „Leitfaden: Respektvoll über Behinderung sprechen“. Solche klaren Anleitungen sind sehr gute Trainingsdaten.
  • FAQs mit Vorbildfunktion: Beantworte häufige Fragen zur Thematik in einem FAQ-Bereich mit perfekt formulierten, inklusiven Antworten.

Sichtbarkeit durch SEO und offene Wissensdatenbanken

Der beste Inhalt nützt nichts, wenn er nicht gefunden wird.

  • Suchmaschinenoptimierung (SEO): Sorge dafür, dass deine Inhalte bei Google gut ranken, damit sie als relevante Quelle dienen.
  • LLMO, GAIO, GEO und AIO: Setze dich mit den Nachfolgemodellen zu SEO auseinander und versuche, deine Internetseite so zu gestalten, dass LLMs deine Inhalte besonders gerne und häufig ausspielen.
  • Wikipedia pflegen: Überprüfe und korrigiere Artikel zum Thema Behinderung. Wikipedia ist eine wichtige Trainingsquelle für LLMs.

Der strategische Einfluss

Nutze die Autorität und das Netzwerk deines Verbandes, um systemische Veränderungen anzustoßen. Das klingt vielleicht theoretisch bis unmöglich – aber wer es nicht versucht, hat schon verloren.

Gehe auf die Unternehmen zu.

  • Expertise anbieten: Kontaktiere die Ethik- oder Sicherheitsteams von Firmen wie OpenAI, Google oder Mistral, falls es sie denn gibt. Biete deine Expertise für das gezielte Suchen nach Bias an.
  • Beratung anbieten: Positioniere deinen Verband als Fachberatung für die Entwicklung inklusiver KI-Systeme.

Schaffe außerdem öffentlichen Druck und setze Standards.

  • Positionspapiere veröffentlichen: Erstelle ein Positionspapier zu „KI und Inklusion“, das klare Forderungen an Entwickler*innen und Politik formuliert.
  • Kampagnen starten: Initiiere eine öffentliche Kampagne gegen Ableismus in der KI und fordere transparente, diverse Trainingsdaten.
  • Netzwerke stärken: Kooperiere mit anderen Organisationen, um deine Forderungen mit mehr Nachdruck zu vertreten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Bringt mein einzelnes Feedback an eine KI überhaupt etwas?

Auch wenn eine einzelne Korrektur das Modell nicht ändert: Die Masse an qualifiziertem Feedback kann einen Unterschied machen.

Wie schnell kann ich mit Verbesserungen rechnen?

Veränderungen in großen KI-Modellen sind ein langsamer Prozess. Die heute erstellten Inhalte beeinflussen die KI-Generationen von morgen. Es ist ein Marathon, kein Sprint.


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