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Warum 33 Euro Stundenlohn für einen freien Dozenten zu wenig sind

Screenshot: Dozenten für Journalismus gesucht

Geht man davon aus, dass ein Monat 20 Arbeitstage hat, käme man mit einem Stundenlohn von 33 Euro auf ein erfreuliches Monatsgehalt von 5.333 Euro vor Steuern. Wer die Zahlen hinterfragt, wird jedoch feststellen, dass das in einigen Fällen ein Trugschluss ist.

Klingt gut: Als freier Dozent über 5000 Euro im Monat verdienen

Ich freue mich, als ich von dozentenpool24.de eine Anfrage übermittelt bekomme, die thematisch passt: Es geht um Journalismus. Meine Freude schwindet aber, als ich das Honorar sehe: Es gibt pro 45 Minuten 25 Euro. Ich beginne zu rechnen: Der Stundensatz liegt dann bei 33 Euro, bei acht Arbeitsstunden pro Tag und fünf Arbeitstagen pro Woche käme man theoretisch auf ein Monatsgehalt von 5.333 Euro. Klingt doch ziemlich gut?

Arbeitszeiten von freien Dozenten bedenken

Ja, zunächst schon. Doch dann schaue ich auf die Arbeitszeiten: Freitagabends von 18 bis 21 Uhr 15 und samstags von 9 bis 16 Uhr. Das steht im krassen Gegensatz zu dem, was ich mir für mein Privatleben wünsche – ein freies Wochenende nämlich. Ich schaue im nächsten Schritt auf den Postleitzahlenbereich: 402xx ist Düsseldorf, eine Entfernung, die man von Köln aus relativ einfach zurücklegen kann. Tatsächlich muss man, das weiß ich aus Erfahrung, aber mindestens eine Stunde Reisezeit für die Hin- und Rückfahrt einplanen.

Was bleibt am Ende für den freien Dozenten übrig?

Also ist die nächste Frage: Um wie viele Arbeitstage geht es eigentlich? Bei 48 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten komme ich auf 13 Einheiten an einem Wochenende. Also geht es um mindestens sieben Arbeitstage. In Stunden umgerechnet wäre ich an den Freitagen über fünf Stunden inklusive An- und Abreise unterwegs, an Samstagen sogar neun. Macht insgesamt 15 Stunden an Freitagen und 45 Stunden an Samstagen. Zusammen liegt der Arbeitsaufwand bis zu diesem Punkt bei 60 Stunden. Da der gesamte Auftrag mit 1.200 Euro honoriert wird, komme ich nach dieser Überlegung auf einen Stundensatz von nur noch 20 Euro.

Freie Dozenten müssen ihre Kurse auch vorbereiten

Leider muss der Unterricht auch vorbereitet werden. Es ist sehr optimistisch gedacht, einen Tag in nur einer Stunde vorbereiten zu wollen. Ich setze darum zwei Stunden pro Tag an. Bei sieben Arbeitstagen kommen also weitere 14 Arbeitsstunden dazu. Also haben wir jetzt 74 Arbeitsstunden und dementsprechend einen Lohn von nur noch 16,22 Euro pro Stunde.

Und dann geht noch die Provision ab

Hinzu kommt: dozentenpool24.de bekommt zehn Prozent Provision, wenn ich den Auftrag annehme, also 120 Euro. Das heißt, es bleiben nur 1.080 Euro als Honorar übrig – und somit ein Stundenlohn von 14,59 Euro – vor Steuern. Setzen wir 30 Prozent Steuern an, bleiben rund 10 Euro die Stunde übrig. Davon sind noch keine Beiträge zur Krankenversicherung abgegangen und ich habe noch nichts für meine Rente zurückgelegt beziehungsweise meine technische Infrastruktur bezahlt. Ein weiterer wichtiger Punkt: In der Zeit, in der ich diesen schlecht-bezahlten Auftrag ausführen würde, hätte ich keine Zeit, einen gut-bezahlten zu suchen, beziehungsweise ihn zu bearbeiten.

Es gibt nach all diesen Überlegungen also für mich keine andere Möglichkeit, als dem potenziellen Auftraggeber zu signalisieren: „Kein Interesse!“. Trotzdem ärgere ich mich – darüber, dass Bildung oft so schlecht bezahlt ist. Immerhin haben die Dozenten, die an Hochschulen unterrichten, in der Regel ein abgeschlossenes Studium. Sie haben also in ihre eigene Bildung viel Zeit und Geld investiert. Und trotzdem will man sie oft nicht angemessen bezahlen. Das geht mir nicht in den Kopf. Schließlich ist die Bildung junger Leute eine Investition in die Zukunft unseres Landes. If you pay peanuts, you’ll get monkeys, heißt es im Englischen. Wer wenig zahlt, bekommt eben nicht die besten Arbeitskräfte. Das hat unter Umständen entsprechende Konsequenzen für die Bildung der nächsten Generationen.

Um aber noch etwas Positives zu sagen: Das Journalistische Seminar an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zahlt mir deutlich mehr als der Auftraggeber im geschilderten Fall zahlen würde. Es geht also auch anders. Zwar kann man mit dem Mainzer Gehalt auch keine großen Sprünge machen. Aber zumindest seine Rechnungen bezahlen.

Auftrag für nur 23 Euro pro Unterrichtseinheit
Auftrag für nur 23 Euro pro Unterrichtseinheit

Nachtrag: Das Angebot, das am Mittwochabend reinkam, ist noch schlimmer honoriert. Diesmal soll das Honorar nur 23 Euro pro Unterrichtseinheit betragen. Auch in diesem Fall muss die Antwort lauten: kein Interesse!

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