Es ist schon etwas länger her, dass mich ein Journalist gefragt, ob ich zu Qwen raten kann. Qwen ist wie Deepseek ein chinesisches KI-Tool. Deepseek hatte ich mir erst gar nicht als App installiert, das ist mir zu heikel. Über Qwen wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch zu wenig, um dazu etwas sagen zu können. Grundsätzlich bin ich der Meinung, ich muss nicht jedes KI-Tool kennen. Und: Die Unterschiede bei den großen Modellen werden zusätzlich kleiner. Ich bin sowieso der Meinung, dass es bei künstlicher Intelligenz weniger um die Wahl des einen, perfekten Tools geht, sondern um das grundsätzliche Verständnis dafür, was ich mit dieser Technologie machen kann.
Jetzt komme ich endlich dazu, das Thema näher zu beleuchten. Das Thema ist nämlich auch vor dem Hintergrund interessant, dass in den USA aus Kostengründen immer mehr chinesische Modelle genutzt werden. Sie sind ganz einfach günstiger als die immer teureren Modelle, die die US-amerikanischen Unternehmen präsentieren. Unter anderem die FAZ hat darüber berichtet.
Einführung: KI in den Medien (PDF)
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des medialen Alltags – in Recherche, Produktion, Distribution und Organisation. Doch was genau leistet KI heute wirklich? Wo liegen ihre Grenzen? Und wie lässt sie sich verantwortungsvoll einsetzen?
Einführung: KI in der Medienbranche bietet eine sachliche, verständliche und kritisch reflektierte Einführung für Journalistinnen, Redakteurinnen, Kommunikationsprofis und andere Medienschaffende. Das PDF erklärt zentrale Begriffe, ordnet aktuelle KI-Anwendungen ein und zeigt, warum KI weder neutral noch „intelligent“ ist, sondern auf statistischen Verfahren beruht.
Eigentlich bedeutet das: Wer sich mit generativer KI beschäftigt, kommt an Qwen, DeepSeek und Moonshot kaum noch vorbei. Man sollte zumindest einmal auf das ein oder andere einen Blick geworfen haben. Ich nutze derzeit für Aufgaben, bei denen ich keine Bedenken habe, über Open Router in Typing Mind Moonshot. Meine Erfahrungen damit: Ich finde Kimi K3 relativ langsam, aber die Ergebnisse sind immer sehr gut. Selbst zum 4. April 1989, dem sogenannten Peking-Massaker, bekomme ich eine ausführliche Antwort.
Was gegen die Nutzung chinesischer KI-Tools spricht
Die Kehrseite ist klar: Wer mit solchen Modellen arbeitet, muss insbesondere Datenschutz mitdenken. Besonders dann, wenn die Nutzung über externe Dienste läuft und sensible Inhalte verarbeitet werden.
Wie auch bei US-amerikanischen Modellen kann es zudem politische und gesellschaftliche Verzerrungen geben. Gerade bei der journalistischen Arbeit muss man also wachsam sein.
Wer mit diesen Modellen arbeiten möchte, sollte prüfen, ob er sie lokal nutzen kann, damit die Daten im eigenen Verantwortungsbereich bleiben. Ganz wichtig bei der journalistischen Arbeit ist, dass Quellenschutz und Vertraulichkeit sichergestellt sind. Wer unsicher ist oder nicht über ausreichend technisches Wissen verfügt, um das einschätzen zu können, sollte lieber mit anderen Modellen arbeiten.
Denn sobald personenbezogene Daten, unveröffentlichte Recherchen oder vertrauliche Quellen ins Spiel kommen, zählt nicht mehr nur die Modellqualität, sondern vor allem die Frage, wie der Dienst technisch und rechtlich eingebettet ist.


