Gelesen: KI – Wenn wir wüssten

Roboter gibt es zwar schon lange. Aber im Buch (Werbe-Link zu Amazon) „KI: Wenn wir wüssten“ wird klar beschrieben, dass wir noch am Anfang stehen, mit dieser neuen Technologie. So können Roboter zwar hören und sehen, aber sie können beispielsweise nicht fühlen und riechen. Beides wäre aber sinnvoll. Denn ein Roboter, der riechen kann, kann beispielsweise frühzeitig Feuer erkennen, ein Gasleck oder verdorbene Lebensmittel. Auch an der Haut für Roboter wird bereits gearbeitet. Sie hätte ebenfalls einige Vorteile. Beispielsweise könnte sie giftige Chemikalien schnell erkennen. Oder über eine Prothese gezogen, könnte sie den Träger*innen dieser Hilfe Gefühle zurückgeben – und das wäre doch wirklich mal ein sinnvoller Einsatz.

Neben diesen schönen und guten Beispielen ist das Buch teilweise sehr technisch. So beschreibt die Autorin Cortnie Abercrombie die Unterschiede zwischen überwachtem Lernen, unüberwachtem Lernen und verstärkendem Lernen. Außerdem geht es um den Verstand von KI-Systemen und Algorithmen. Teilweise ist das ziemlich trocken. Aber natürlich für Menschen, die bislang gar keine Ahnung von dieser Thematik haben, unter Umständen hilfreich und gut zu wissen.

KI im Alltag

KI – Wenn wir wüssten
KI – Wenn wir wüssten

Die Autorin geht auch darauf ein, wo in unserem Alltag uns KI begegnet. Da müssen wir uns nichts vormachen: Im Smartphone werden Daten gesammelt aus dem, was wir damit tun. So empfiehlt uns KI beispielsweise schnellere Beats, wenn wir „Laufen“ in der Fitness-App ausgewählt haben. Anderes Beispiel: Fitnessprogramme können anhand unserer Daten personalisierte Trainings- und Ernährungspläne anlegen. Oder die Fotofunktion: Bei Apple gibt es in den Bildinfos zu Wahrzeichen Erklärtexte und mehr. Auch Parkleitsysteme oder intelligente Ampeln in Städten sind mittels KI geschaltet. Und selbstverständlich steckt KI in Facebook und Google.

Fazit: KI macht das Leben leichter – gleichzeitig werden dadurch viele Daten generiert. Bei einer Verabredung beispielsweise die Handynummer des oder der Partner*in, der Ort des Treffens, GPS-Daten und möglicherweise noch deutlich mehr.

KI im Bewerbungsprozess

Künstliche Intelligenz wird zunehmend auch von Arbeitgeber*innen eingesetzt. Sie suchen zum Beispiel nach möglichen Mitarbeiter*innen, ohne die Stellen auszuschreiben. Du wirst also eventuell niemals von dieser Stelle hören, weil du scheinbar nicht darauf passt. Die Annahme darüber, ob jemand passt oder nicht, zieht die KI beispielsweise aus deinen Social Media Accounts. Angenommen, du postest oft einen kühlen Drink, könnte die AI daraus schließen, dass du Alkoholiker*in bist und darum nicht auf die freie Stelle passt. Und wenn die Info lange genug im System abgespeichert werden, wird dich diese Fehleinschätzung über Jahre oder sogar Jahrzehnte verfolgen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang wieder einmal die Lektüre von Quality Land.

Künstliche Intelligenz spielt im Arbeitsumfeld natürlich noch eine weitere Rolle: Sie wird auch Arbeitsstellen ersetzen. Im Buch wird dabei zum Beispiel die Buchhaltung genannt oder Prävention von Cyberkriminalität. Dass Berufe wegfallen, ist allerdings ist nichts Neues. Beispielsweise Kerzenzieher oder Menschen, die Schwerte schmieden, gibt es heute auch nicht mehr viele, obwohl diese Berufe früher verbreitet waren. Davon abgesehen ersetzt KI auch hochintelligente Wissenschaftler. Ganz einfach, weil die Software schneller und besser war als der Mensch.

Was dich direkt betrifft

Böse Menschen setzen Künstliche Intelligenz auch ein, um Menschen oder Organisationen oder ganze Länder zu hacken und zu destabilisieren. Im schlimmsten Fall kann es sogar sein, dass deine Geräte Teil einer solchen Attacke werden, ohne dass du davon weißt. Aber natürlich ist auch die Gefahr groß, dass du selbst ausspioniert wirst, weil Verbrecher*innen Interesse an zum Beispiel deinen Bankdaten haben. Du solltest dir darum beispielsweise gut überlegen, ob du deinem Computer oder Smartphone den Zugriff auf deine Tastatur ermöglichst, wenn er dich dazu auffordert. Natürlich sollte man auch immer darüber nachdenken, was man in den sozialen Medien von sich Preis gibt, nicht zu viele Details veröffentlichen, und selbstverständlich nie auf Links in E-Mails oder SMS klicken, wenn deren Absender*in uns komisch vorkommt. Das alles sollte sich längst herumgesprochen haben. Andererseits denke ich, solche Phishingattacken gäbe es nicht mehr, wenn nicht doch noch sehr viele Leute darauf hereinfallen würden.

Die Sache mit den Daten

Wirklich übel ist, dass die Künstliche Intelligenz ständig mit den Daten gefüttert wird, die wir irgendwo unwissend preisgeben. Also beispielsweise, wenn wir über Netflix oder Disney Filme streamen. Oder selbstverständlich über unsere Handy-Apps. Auch wenn wir ein Smart Home haben, senden wir dauernd Daten über uns. Da müssen wir uns nichts vormachen. Welche Daten für die Datensammler besonders interessant sind, hat die Autorin in ihrem Buch ebenfalls beschrieben. Das sind zum einen selbstverständlich Finanzdaten. Die Kaufkraft von Verbraucher*innen ist schon immer besonders interessant für Kriminelle. Aber auch genetische Daten können in Zusammenhang mit KI missbraucht werden. Oder selbstverständlich psychologische Daten. Sie können ausgelieferten werden, wenn man zum Beispiel häufig depressive Posts veröffentlicht. 

Dann gibt es in dem Buch ein langes Kapitel darüber, ob Künstliche Intelligenz Kindern und Jugendlichen schaden kann. Das ist ein Kapitel, dass mich nicht interessiert. Darum habe ich es nur überflogen. Allerdings sollten Eltern es lesen, um zu wissen, welchen Gefahren ihre Kinder ausgesetzt sind. Und um zu erfahren, wie Erwachsene Kinder digital ausspähen und ihnen näher kommen. Das ist ziemlich eklig.

Demokratie in Gefahr

Es gibt auch ein Kapitel, dass sich mit Plattformen und Algorithmen auseinandersetzt. Die Autorin schreibt, dass Mark Zuckerberg weiß, dass die Algorithmen von Facebook polarisieren. Berater*innen hätten ihm gesagt, wie er diese Spaltung der Gesellschaft vermeiden könne. Doch diese Änderungen hätten dazu geführt, dass der Meta-Konzern am Ende weniger Einnahmen hätte. Also bleibt zum Wohle eines Unternehmens alles beim Alten. Dass die Demokratie dadurch in Gefahr kommt – interessiert nicht.

Die Autorin berichtet außerdem über radikale Bewegungen, über die wir üblicherweise in den Nachrichten hören, die aber bislang in den USA deutlich aktiver sind als in Europa. Sie beleuchtet auch, wie es zu Fake News kommt, und wie diese einen immer größeren Kreis von Gläubigen erreichen. Diese Informationen sind wichtig zu wissen, aber ob der oder die Einzelne etwas dagegen tun kann, das ist die Frage.

Mein Fazit zum Buch

Ausgesprochen gut an diesem Buch gefällt mir, dass es immer wieder Selbsttests gibt, Checklisten oder Empfehlungen beispielsweise dazu, wie man Fake News erkennt. Das Buch ist also weit davon entfernt, reine Theorie zu vermitteln. Stattdessen bietet es auch ganz handfeste Lösungen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Was mir dagegen gar nicht gefällt, ist die Auflistung der US-amerikanischen Verbraucherrechte. Sie sind ist zwar vielleicht interessant im Vergleich zum europäischen beziehungsweise deutschen Recht. Aber als deutsche Leserin bringt mich dieser Abschnitt nicht wirklich weiter. Eventuell hätte man hier einen Zusatznutzen geschaffen, wenn man in einem Buch, dass in Deutschland erscheint, auch die deutsche Gesetzeslage wiedergegeben hätte. Das ist aber natürlich ein zusätzlicher Aufwand und nicht mehr nur eine reine Buchübersetzung.

Der Plassen-Verlag hat mir das Buch kostenlos zur Rezension geschickt.

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